Spaltung mal ganz anders

Eine Bekannte, die mir gerade 10 Brote für die Kommune über den Ladentisch geschoben hat, fragte mich, ob ich etwas über Spaltungen schreiben könne. Einfach so, weil wir ein kabarettisches Projekt im Kopf haben, also aus einer gewissen Laune heraus. Am letzten Wochenende hatten wir Olgashöferinnen unser herbstliches Holzhackfest und haben gehackt. Wenn gehackt wird, wird etwas gespalten, was vorher ganz war. Noch als Ganzes ist der Holzklotz hart und mächtig. Ich war als Alter wegen meiner nachlassenden Kräfte an die Spaltmaschine geschickt worden. Ein Keil, der hydraulisch mit unglaublicher Kraft ganz langsam auf den Klotz gedrückt wird, der sich dann, widerwillig aber dennoch unvermeidlich spaltet.

Spaltungen sind folglich überall anzutreffen. „Mitten in die Wurst hinein“ (etwa 1980) war eine Anordnung der Berliner Polizei, um eine Demonstration zu spalten. Heute geht alles viel schneller und leichter. Ein missliebiges Plakat aus einer anderen Bubble reicht schon, um eigentlich Geeinte in einem gemeinsamen Protest erfolgreich zu teilen. Ein Wort, dass nicht in die Bubble passt genügt schon für eine Löschung in der Social-Mediagruppe. Diese Spaltungen werden nicht von der Verfolgungsbehörden durch Kraft oder List erreicht, sondern durch uns selbst. Das ist mehr als Anpassung an das trennende System, das macht jeden Protest zu einer Mücke. Das ist neu! Ich kann mich an die Demonstrationen, z.b. in Grohnde oder auch später zum Schacht Konrad erinnern. Dort hatten wir die Devise ausgegeben, dass jeder und jede so demonstrieren soll, wie sie oder er das wolle. Gesinnungsprüfungen, wie auch, „das ist Herbert von der DKP, mit dem wollen wir nichts zu tun haben“, also das habe ich nirgends beobachtet. Alle, die gegen die AKWs waren, haben sich von der Bullerei wegprügeln lassen. So war das auch bei den Platzbesetzungen, auf denen die Bundeswehr 1988 auf öffentlichen Plätzen die jungen Rekruten vereidigen wollten. Gespaltene Bewegungen: Nein. Das war die Zeit ohne Smartphons und Tabletts. Wie war es bloß möglich, ohne Smartphon eine Demonstration von 30 Tausend Leuten zu mobilisieren? Die Zeiten haben sich geändert. Heute gibt es ja halt auch Spaltmaschinen, sonst würde ich als Alter den Klotz gar nicht mehr zertrümmern können. Aber es gibt in dem Holz auch dicke Äste, die sich dem Spaltkeil hart widersetzen. Auch wenn ich den Klotz drehe und von der anderen Seite versuche, gibt das Astgeflecht auch nicht nach. Und da dachte ich letztens beim Spalten: wäre ich doch ab und zu mal eines dieser Astgeflechte.

Für unsere Gäste in unserem Tagungshaus, die gerne spalten: Bei uns ist im nächsten Frühjahr wieder Spalten was das Zeug hält. Bis jetzt sind in unserem Gästehaus die Gäste stets nach einem stressfreien Wochenende wieder zusammen abgereist.

BUche!

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